»Grafikdesign Kurs« oder »Mein Luftkissenboot ist voller Aale!«

26. Oktober 2010 Peter Reichard

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Wieder ein Buch, bei dem den Lesern der deutschsprachigen Übersetzung die Bäume leid tun, die für dieses Buch dafür gefällt wurden. Im ersten Teil bekommt man zwar noch interessante Abbildungen hervorragender Designbeispiele geliefert, aber den Inhalt sollte man nur mit größter Vorsicht genießen. Denn vermutlich durch die Übersetzung werden viele Passagen unverständlich wie diese Beispiel anschaulich zeigt:
»Zeitschriften und Zeitungen nutzen DTP, um so viele Wörter auf eine Seite zusetzen, wie für das Auge angenehm erfassbar und ästhetisch gefällig sind, wenn nötig, mit Seitenrastern, Vorlagen und Spalten.«

Die inhaltliche Tiefe ist meist zudem sehr gering. So gibt es zur Einführung von Layout- und Grafikprogrammen gerade mal 4–8 Seiten. Das hilft dem Anfänger gar nichts und demjenigen, der die Grundlagen der Software kennt, bringt es höchstens ein müdes Lächeln ins Gesicht.

Hier nur einige dieser unmöglichen »Inhalte«. Man könnte dies seitenlang fortsetzen, was ich aber den Lesern ersparen möchte. Und vor allem möchte ich den Lesern dieses Buch ersparen.

»Font: Bestimmte Größe, Dicke und Breite eines Zeichensatzes, z.B. Garamond Roman 12 pt.«
Vermutlich ist damit das Schriftgewicht und die Schriftweite (Extended, Condensend, etc.) gemeint. Versteht man aber so kaum. Zudem ist es falsch, dass die Größe durch den Font, also die Schriftdatei bestimmt wird.

»Grundlinie: Linie, auf der die Minuskeln (Kleinbuchstaben) stehen« Da die Großbuchstaben auch auf der Grundlinie stehen, ist die Erklärung ebenso ungenau wie diese: »x-Höhe: Höhe der Minuskeln in jeder Schriftart«. Denn was ist Kleinbuchstaben mit b, d, f, h, etc., die eine Oberlänge besitzen. Sie sind größer als die x-Höhe.?

Dem folgt die arg verallgemeinernde Behauptung, dass Schriften mit kleiner x-Höhe leichter lesbar sind.

»Moderne Serifenschriften wie Minion, Swift und Meta eigenen sich hervorragend für Zeitgeistthemen.«
Doch Meta ist ein Sans-Serif-Schrift oder man hätte zumindest Meta Serif angeben sollen.

Der Durchschuss wird fälschlicherweise als »Horizontaler Zeilenabstand« Dabei ist Durchschuss nicht gleich dem Zeilenabstand.

»Schnittmarken: Haarlinienmarkierungen außerhalb des Druckbereichs, mittels derer die Farbpaletten exakt übereinander positioniert werden«. Welche Farbpaletten sind hier in der Druckmaschine wohl gemeint?

»Einen Fadenzähler oder eine Lupe zur Kontrolle von Passer, Beschnitt, Tonwertzuwachs und Klarheit der Schrift.«
Erstens benötigt man für die Kontrolle des Beschnitt keinen Fadenzähler und was soll die Klarheit der Schrift? Vermutlich wurde Clarity (Deutlichkeit, Schärfe) mit Klarheit übersetzt.

»Siebdruck: Druckverfahren, bei dem Matrizen benutzt werden.«
Matrizen sind für die Herstellung von Bleibuchstaben verwendet worden.

Die Übersetzerin und die Lektorin scheinen kaum Kompetenz in den Themen Design, Druck und Medien zu haben. Oder nach Monty Python: »Mein Luftkissenboot ist voller Aale!« Solcher Bücher machen mich aggressiv.

Kategorie: Typo-Magazine und Bücher

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