»Grundkurs Grafik und Gestaltung« von Claudia Runk
11. Januar 2010 Peter Reichard

»Grundkurs Grafik und Gestaltung« könnte man als Fortsetzung des bereits 2006 erschienen »Grundkurs Typografie und Layout« ansehen. Letztendlich sind es jedoch zwei eigenständige Titel, auch wenn es einige wenige inhaltliche Überschneidungen gibt.
Als Einstiegslektüre in die Welt der Gestaltung bietet Claudia Runk einen Querschnitt durch die Welt von Farben, Formen, Schrift, Layout, Druck, Internet und Bildern. Dabei werden teils technische, teils gestalterische Grundlagen vermittelt.
Die Gestaltungsbeispiele und Erläuterungen wirken jedoch, als ob die Zielgruppe eher Hobbygestalter als zukünftige professionelle Designer sind. Viele Ausführungen sind Allgemeinplätze, die aber auch nicht richtig erklärt werden bzw. orientieren sich nicht an Problemen aus der Praxis. Zudem lässt die Orientierung auf aktuelle Trends das Buch schnell veralten.

Hier einige Zitate, die beispielhaft für den Charakter des Buches sind:
»Hat man die ehrenvolle Aufgabe, ein Druckerzeugnis für das Web umzusetzen, kann man häufig nur eine Farbe aus der Palette der websicheren Farben wählen – ein genaues Abbild der gedruckten Farbe findet sich selten.« (S. 181)
»Durch verbesserte Techniken in der Webprogrammierung sieht man nun häufig Rechtecke mit abgerundeten Ecken, was diese meist freundlicher macht.« (S. 126)
– Das hat nun wenig mit Webprogrammierung zu tun.
»Die Zapfino ist eine OpenType-Schrift von Hermann Zapf, die beispielsweise für Ligaturen einen eigenen Schnitt ausweist.« (S. 298)
– Gerade diese gesonderten Schnitte sind dank OT-Features nicht mehr nötig.

Haarsträubend wird es, wenn die Autorin behauptet, dass die 3 mm Beschnitt deswegen nötig seien, da sich das Papier in der Druckmaschine bewegt. Würde das Papier sich in einer Druckmaschine 1–2 mm bewegen, sollte man schleunigst den Monteur des Maschinenherstellers kommen lassen oder eine neue Maschine kaufen. Zudem würden solche Standdifferenzen zwar Schwierigkeiten bei der Verarbeitung bringen, nicht aber im Druck selbst, da sich ja das gesamte Druckbild auf dem Bogen verschöbe.
Die von der Lektorin im Vorwort angepriesenen Vorher-Nachher-Beispiele sind zwar meist handwerklich einigermaßen in Ordnung, aber alles andere als ausdrucksstarkes und ausgefallenes Design.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich zwar um einen Grundkurs handelt, aber dies kein Grund für verflachte und verkürzte oder gar falsche Inhalte sein sollte.
Autor Claudia Runk
Verlag Galileo Design
Seiten 310
ISBN 978-3-8362-1437-7
Preis 24,90 Euro
Kategorie: Typo-Magazine und Bücher
1 Kommentar Kommentar abgeben
1. datenkind | Februar 2nd, 2010 at 16:53
Da muss man sich nicht wundern, dass immer mehr Amateure meinen, sie hätten mit solchen Büchern alles nötige Wissen angesammelt, was man für einen erfolgreichen Einstieg in die Branche benötigt.
Schlecht wird mir da, ganz schlecht …
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