»Muß Gutenbergs Erbe in Adlershof sterben?« Buchdruckerei Nessing

20. August 2009 Peter Reichard

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Der Brief ist zwar schon etwas älter und wurde auch bereits im Fontblog veröffentlicht, leider hat sich die Situation von Lutz Nessing und seiner Druckerei nicht verbessert. Was Nessing helfen könnte, wäre vielleicht eine Art Freundeskreis
bzw. Förderverein. Wenn da z.B. 200 Begeisterte zusammenkommen und einen Jahresbeitrag von 35 Euro zahlen, sind das im Jahr immerhin mal 7000 Euro, also in etwa die halbe Miete.

Förderung und Unterstützung zum Erhalt der Buchdruckerei Nessing in Berlin dringend benötigt!
Die 1930 gegründete Buchdruckerei Nessing wird seit 1979 vom Buchdruck-Handwerksmeister Lutz Nessing geführt. Als Graphikdrucker ist er im Berufsverband Bildender Künstler Berlin organisiert. Der traditionsreiche Meisterbetrieb ist eine der letzten großen, klassisch und professionell künstlerisch arbeitenden Buchdruckereien in Deutschland. Vielerorts wurden Buchdruckereien wegrationalisiert. Moderne elektronische Medien können dieses historisch bedeutende Handwerk jedoch nicht ersetzen. Die Bedeutung dieser Kunst-Buchdruckerei Die qualitative und quantitative Komplexität dieser Buchdruckerei – verbunden mit dem langjährigen praktischen und kunsthandwerklichen Wissen des Buchdruckmeisters – geht weit über eine «traditionsreiche Handwerksstätte» in Berlin hinaus.
Aus Verantwortung gegenüber der Buchdruckkunst als kulturelles Erbe und künstlerisches Handwerk ist diese Kunst-Buchdruckerei ein unersetzliches Kulturgut – sowohl auf ästhetischer, als auch auf kulturgeschichtlicher, technologischer und geisteswissenschaftlicher Ebene. Allein durch die Eigeninitiative von Lutz Nessing ist die Werkstatt nicht mehr zu finanzieren. Die Bewahrung des Buchdrucks als revolutionäres Kulturgut ist eine Aufgabe der Kulturpolitik.
Staatliche Hilfe mit EU-Mitteln kann helfen! Buchdrucker unter Hochdruck! Wer kann helfen?
Wer kennt kulturelle und/oder wirtschaftliche Bewahrungsstrategien zum Erhalt von tätigem alten Kunst-Handwerk auf regionaler, nationaler bzw. europäischer Ebene? Wer kennt Maßnahmen oder ein EU-Förderprogramm zur Bestandssicherung dieser historischen Buchdruckerei? Gesucht werden private Förderer, Mäzene bzw. Sponsoren zur Finanzierung verschiedenster Kosten, wie Gummiwalzen für die Druckpressen, Instandhaltung/-setzung der alten Maschinen., Schriftkomplettierungen usw.!

(Foto: Silvia Werfel)

Kategorie: Verschiedenes

4 Kommentare Kommentar abgeben

  • 1. vom Berg  |  August 20th, 2009 at 13:29

    Setzt euch doch mal mit dem Hessischen Landesmuseum in Darmstadt mit der Abteilung Schriftguss, Satz und Druckverfahren in Verbindung(http://www.hlmd.de/w3.php?nodeId=361). Vielleicht haben die eine Idee. In Mosbach am Neckar gibt es ein ähnliches Museum (http://www.kremo.de/html/druckwerkstatt.htm). Als Mäzen gibts den hier http://de.wikipedia.org/wiki/Reinhold_W%C3%BCrth
    Oder wie wäre es mit anderen Verlagen zusammenzuarbeiten —> zB: www.blumenbar.de

  • 2. Martin Z. Schröder  |  August 20th, 2009 at 23:38

    Was heißt hier: “letzte Druckerei, die den authentischen Bleisatz und das traditionelle Drucken noch täglich praktiziert”? Ich möchte allerdings nicht der allerletzte sein, Meister Nessing ist jede Hilfe zu wünschen.

  • 3. Peter Reichard  |  August 21st, 2009 at 08:23

    Stimmt natürlich. Da hab ich etwas zu viel vom Pressetext übernommen. Der Unterschied liegt aber glaube ich darin, dass Herr Nessing einer der letzten ist, der Großformate druckt, oder irre ich mich da?

  • 4. Martin Z. Schröder  |  August 21st, 2009 at 08:40

    Ich glaube, Herr Nessing ist ein Museum der grafischen Technik auf zwei Beinen. Er hat nicht nur die größten Buchdruckpressen außerhalb eines Museums in Deutschland (oder Europa?), er kann damit auch umgehen. Er ist mit den Maschinen aufgewachsen. Er setzte Maschinensatz auf einer Linotype, er kann Plakate wie Romane im Bleisatz produzieren, diese Werkstatt mit diesem Mann ist ein lebendes Industriedenkmal. Grafische Museen gibt es nicht wenige, das aktivste ist wohl Hamburg. Aber solche Druckereien, die noch eine eigene Geschichte fortführen, gibt es so gut wie nicht mehr. Nur sind eben mit Büchern im Bleisatz kaum Gewinne zu machen, auch Plakate im Buchdruck sind schwer verkäufliche Ware. Wem sollte man es auch verübeln? Bücher sind zum Lesen da, nicht zum Angucken. Und die Buchfreunde, die sich für viel Geld kostbare Kleinauflagen herstellen lassen, gibt es nicht mehr. Vielleicht wäre eine Monarchie manchmal nicht übel. Oder reicher Adel, der feinste Handwerkskunst aus Tradition schätzt.

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