3 Fragen an Indra Kupferschmid

11. April 2008 Peter Reichard

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Indra Kupferschmid, u. a. Autorin des Buches »Buchstaben kommen selten alleine« und »Helvetica forever« bietet auf den Tagen der Typografie vom 22. bis 25. mai den Workshop »Titeleien« an. In der Ankündigung dazu heißt es: »Außer dem Inhalt besteht ein Buch noch aus anderen Teilen: Vorsätzen, schmutzabweisenden Seiten, feierlichen Haupttiteln, Verzeichnissen, Bekenntnissen und ab und an einem Familienfoto des Autors. Wir möchten für verschiedene Arten von Büchern Anfänge und Umschläge gestalten. Visualisiert mit gezeichneter, geklebter oder gesetzter Schrift, Kollage, Bildern, Illustrationen. Vielleicht machen uns Arbeiten von u.a. Helmut Salden, Berthold Wolpe oder Sandberg mal wieder Lust auf Handgemachtes.«

Was ist deine liebste Schrift und warum ist es gerade die?
Ich formuliere das mal um:
Was ist gerade deine Schrift und warum ist sie lieb?

Eine Lieblingsschrift für alles und immer kann man, sobald man sich ein bisschen im Fach tummelt, eigentlich nicht mehr haben. Ständig kommen neue gute dazu oder entdeckt man alte Klassiker wieder, die man gerne mal benutzen würde – aber es kommt und kommt einfach keine Gelegenheit. So geht es mir seit etwa 1997 mit der Elektra von Dwiggins. Sie ist unglaublich eigenwillig, aber in kleinen Größen guckt sich das weg und man liest wunderbar. Irgendwo habe ich sie neulich als Brotschrift in einem Magazin oder so gesehen, da war ich neidisch. Ebenfalls seit ungefähr zehn Jahren spare ich auf Ruse und Collis (bin noch dabei).

Bis dahin benutze ich gerade gerne die Custodia von Fred Smeijers. Sie ist sicher die schludrigste seiner Schriften, die ich übrigens außer der Fresco alle sehr mag. Ich habe aber wohl auch noch nicht die finale Version, könnte noch das ein oder andere Unterschneidungspaar gebrauchen und die Ziffern hüpfen etwas. Allerdings macht gerade das das Schriftbild sehr interessant: wenn nicht alles perfekt und mathematisch auf einander abgestimmt ist. Eher »tote« Schriften sind in den letzten Jahren zur genüge erschienen, vor allem serifenlose. Von den Grotesk-Schriften mag ich daher auch die alte Folio z. B. sehr gerne, benutze aber selber meist Vectora.

Was macht für dich Typografie aus?
Sie macht mir das Leben leichter. Sie ordnet Texte, die ich lesen soll, so vor, dass es schneller geht, oder ich manches auch nur überfliegen kann und hoffentlich trotzdem das Wichtigste mitbekomme. Und sie sagt mir schon von außen, ob »das« überhaupt für mich gedacht ist und ich den Text lesen will/soll.
Außerdem macht sie mir das Leben schön.

Welches typografische Projekt würdet ihr gerne realisieren?
Ich wollte immer gerne ein Telefonbuch machen. Oder ein Lexikon, ein Chemiebuch, neue Straßenschilder, schönere Supermarktwerbeblättchen, Bankautomatendisplays, einen Grabstein … jedenfalls interessieren mich komplexe typografische Aufgaben. Wenn ich aber wieder einige anstrengende Projekte gemacht habe, sehne ich mich nach einem Roman ohne Abbildungen und Spaltensystem.

Kategorie: Typo-Interviews

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