3 Fragen an Ulrike Schneider und Cornelia Dollacker von »come closer – verantwortliches Design«

12. Juni 2009 Peter Reichard

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Du hast mit einer Kollegin im letzten Jahr die Initiative zur Veranstaltungsreihe »come closer – verantwortliches Design im Fokus« begonnen. Was war der Auslöser, dass ihr euch als Designer mit dieser Thematik auseinandersetzt?
ULRIKE SCHNEIDER Cornelia Dollacker und ich, wir suchten nach einem Thema, das uns beide interessiert und das als Vortragsreihe Potential besitzt, das über zwei, drei Vorträge hinaus reicht. Schnell haben wir uns für das Thema »Social Design« entschieden. Eigentlich aus der Architektur kommend, umfasst dieser Begriff sowohl ökologische wie auch soziale Belange. Zwei Gesichtspunkte, die uns beide wichtig und gleichbedeutend sind.
Das war Ende 2007 als wir diese Idee hatten. Im darauffolgenden Jahr entpuppte sich das Thema Nachhaltiges Design als das Thema schlechthin: plötzlich war es in aller Munde. In den Medien wurde Umweltbewusstsein, Klimaschutz, Fair Trade, sozial-gerechtes Handeln regelrecht breit getreten und wir fürchteten schon mit der Grünen Welle mitgerissen zu werden, um dann ganz schnell mit unserem Projekt zu verebben, weil es keinen mehr interessiert.
Aber genau das Gegenteil war der Fall: wir lernten spannende und engagierte Menschen aus der nachhaltigen Design-Szene kennen, die uns darin bestärkten, dass das Thema keinesfalls ausgeschlachtet ist, sondern jetzt erst recht weiter getrieben werden muss. Sustainable Design gibt es schon lange und hat schon viele Auf und Ab’s erlebt, aber es ist noch längst nicht solch ein Thema bei den DesignerInnen und auch nicht bei den Unternehmen. Wir sind noch weit davon entfernt, dass ökologisches, ökonomisch und sozial-gerechtes Handeln, wie es Sustainable Design umschreibt, selbstverständlich ist in der täglichen Arbeit der DesignerInnen. Und genau dem wollen wir durch Aufklärung und positiven Beispielen entgegenwirken.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für euch?
CORNELIA DOLLACKER Nachhaltigkeit beginnt zuerst bei einem selbst. Es ist die eigene Einstellung, ein Statement, das sich in unserem Projekt »come closer«’ wiederspiegelt. Wir wollen uns aktiv für die Umwelt einsetzen und auf Grund unserer Professionalität ‚Kommunikationsdesign’ liegt es nahe eine Kommunikations- und Diskussionsplattform ins Leben zu rufen.
Nachhaltigkeit geht weiter im persönlichen und rücksichtsvollen Umgang mit Kollegen, mit Geschäfts- und Kooperationspartnern und der Einbindung der Teammitglieder.
Neben den sozialen und ökonomischen Aspekten steht natürlich der verantwortliche Umgang mit den Ressourcen an oberster Stelle. So haben wir ausschließlich auf Recycling-Papier gedruckt und reine ökologische Farben verwendet. Genauso steht das Ausstellungssystem von Burkhardt Leitner für Langlebigkeit durch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten, den reduzierten Materialaufwand durch das filligrane Stangensystem und damit auch geringe Transportkosten.
Nicht nur ein Produkt oder ein Printmedium kann nachhaltig sein, sondern Nachhaltigkeit zeigt sich zuerst als ein idealistischer Weg und hat bei uns mit der Konzeption Gesprächsforums begonnen. Diese inhaltliche Auseinandersetzung ist auf Kontinuität angelegt. Wir begeben uns in einen Prozess des immer »konsequenter und besser werdens.«

Das Thema ist ja seit einiger Zeit präsenter als noch vor fünf Jahren. Gleichzeitig, hört man öfters Kritik insbesondere von Designern, die sagen, dass alles nur eine Marketingstrategie ist.
Wie würdet ihr auf diese Kritik/Vorurteile antworten?

CORNELIA DOLLACKER Seitdem wir mit dem Projekt 2008 begonnen haben, hat sich enorm viel verändert. Die gesellschaftliche Relevanz hat stark zugenommen vor dem Hintergrund des Klimawandels und der immer knapper werdenden Ressourcen. Die Rufe, dass wir den Lebensstil, den wir momentan führen, so nicht weiterführen dürfen, ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Es treten Fragen auf, wie die Veränderung von statten gehen kann. Was und wieviel wir ändern müssen. Und darauf gibt es viele unterschiedliche Lösungsansätze.
In diesen Fragen andere Handlungsweisen einzugehen, in wirklichen Kreisläufen zu denken, sich vielleicht auch einzuschränken und unliebsame Entscheidungen zu treffen, das alles sind Aufgaben, die vor allem viele kreative Ansätze und Lösungen benötigen. Produkt- und Kommunikationsdesigner, Architekten und viele andere Kreative sind hier gefragt, ganz neue Ergebnisse hervorzubringen. Und genau sie werden eine wichtige Position bei der Lösung dieser komplexen Probleme einnehmen.

ULRIKE SCHNEIDER Sicher wird das Thema gerne genutzt, um das eigene Image oder das des Unternehmens aufzupolieren. Leider ist der Missbrauch hoch und fatal sind die Konsequenzen, weil gerade die Verbraucher damit verunsichert werden und womöglich in die falsche Richtung geleitet werden – Stichwort »Greenwashing«.
Aber sollten deshalb nicht gerade die DesignerInnen sich ihrer Rolle als Kommunikations-Experten gewahr werden und an der richtigen Stelle ansetzen? Vorurteile abbauen, sinnvolle Alternativen aufweisen und klar machen, wie wichtig Nachhaltigkeit für unsere Zukunft ist?
Und genau hier ist auch kluges und ehrliches Marketing gefragt, um Sustainable Design wirklich gesellschaftsfähig, ja vielleicht auch schick zu machen, um aus dieser verstaubten »Öko-Ecke« herauszukommen.

Vielen Dank für das Interview.

Frankfurt, den 07.06.09
P.S. Die nächste Veranstaltung findet am 18. Juni statt.

Kategorie: Verschiedenes

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