Design und Typografie von Geldscheinen (Teil 1)

18. Januar 2007 Peter Reichard

Auf dem Tag der Typografie in Zürich im letzten Jahr hat mich der Vortrag von Yves Zimmermann erstmals dazu gebracht, nachzuschauen, welche Motive die Euroscheine zieren. Irgendwelche Portraits von Personen vermutete ich zunächst, doch weit gefehlt. Dies ist zwar eher typisch für Banknoten in der ganzen Welt, nur nicht beim Euro.

Wisst ihr es ohne nachzuschauen? Es sind auf jeden Fall auf den Vorderseiten Türe bzw. Tore abgebildet, und auf den Rückseiten sind es Brücken.

Yves Zimmermann wurde für Spanien – wo er lebt und arbeitet – nominiert, um am Wettbewerb für das Design der Euro-Geldscheine teilzunehmen. Vorgabe war, dass bei allen Abbildungen kein spezifisches Land der EU dargestellt werden durfte, damit sich die anderen jeweils nicht hintergangen fühlen. Also fiel es durch diese Vorgabe bereits unter den Tisch, Abbildungen berühmter Personen oder bekannter Gebäude zu verwenden. Daraus ergibt sich, dass alle Tore und Brücken auf den heute aktuellen Euro-Banknoten Phantasie-Gebäude sind. Gleichzeitig war bereits ein Themenbereich vorgegeben. Die Scheine sollten die Epochen vom klassischen Altertum (5 Euro) über die Romantik (10 Euro), Gotik (20 Euro), Renaissance (50 Euro), Barock (100 Euro), 19. Jahrhundert (200 Euro) bis hin zum 20. Jahrhundert (500 Euro) symbolisieren. Mehr Infos dazu und die Entwürfe von Yves Zimmermann, die nicht ausgewählt wurden, findet man in der Ausgabe 5–6/2006 der »Typografischen Monatsblätter«.

***

Zu Hause angekommen, habe ich mal in mein Glas mit Banknoten, die aus Urlauben übrig geblieben sind, reingeschaut und einige davon eingescannt. Allen voran die Schweizer Franken, die von Zimmermann als eines der gelungsten Geldschein-Designs eingeschätzt wurden.

geldscheine_franken2

geldscheine_franken1

Passend dazu fand ich folgende Passage in dem Buch »Gebrauchsanweisung für die Schweiz« von Thomas Küng, Piper Verlag:

»Graphiker und Drucker, aber auch Restauratoren versehentlich zerhackter, versengter oder eingeäscherter Noten freuen sich über Design und Qualität. Nicht zu Unrecht. Das reine Baumwollpapier mit schmutzabweisender Lackschicht – einzigartig auf der Welt – ist vom Äusseren her durchaus akzeptabel. Dazu kommen noch ein paar Finessen, die Schweizer Banknoten fälschungssicher machen sollten: Wasserzeichen, Metallfaden, Durchblick, Kippeleffekt, abreibbare Farbe, Leuchtfasern und Farben, die nur Maschinen wahrnehmen können. Doch das alles ist für geübte Kassiererinnen zweitrangig, meinen Experten der Nationalbank. ›Eine gute Kassiererin spürt sofort, ob sie eine echte oder eine falsche Note in die Hand bekommt. Unser Notenpapier hat einen fast unnachahmlichen Klang‹, sagt Urs W. Bircher, ehemals stellvertretender Direktor bei der Schweizerischen Nationalbank.« (Seite 38/39)

Auf fast allen Scheinen, die ich ohne Systematik gesammelt habe, wurden serifenlose Schriften verwendet. Lediglich die alten DM-Banknoten und polnische Zloty-Scheine verwenden hauptsächlich Serifenschriften.

geldscheine_sloty

geldscheine_dm

Weitere Abbildungen folgen in den nächsten Tagen in einem zweiten Teil.

Kategorie: Typografie & Schriften

4 Kommentare Kommentar abgeben

  • 1. Sebastian Nagel  |  Januar 18th, 2007 at 20:41

    Dazu assoziiere ich spontan:
    Wettbewerb: Neue Schweizer Banknoten (die Gewinner und Einreichungen ansehen).
    Sowie: Sind die Banknoten der Schweiz nicht vor Scannern und Kopierern geschützt? Das war doch mal vor einer Weile ein Aufreger, dass mit Photoshop keine Scans von Banknoten mehr verarbeitbar waren.

  • 2. Peter Reichard  |  Januar 19th, 2007 at 09:46

    Hallo,

    danke für den spannenden Link.
    Ich dachte auch, dass es Probleme mit dem Scannen gibt, aber nur bei den Schweizer Franken gab es überhaupt, die von dir angesprochene Wahnmeldung. Wenn man diese aber ignoriert passiert auch nichts weiter. Und sobald der Schein etwas schief auf dem Scanner liegt wird er nicht mehr als solche erkannt. Ansonsten hätte ich den Umweg übers Fotografieen gewählt, wobei dabei doch dann Details verloren gehen.

    Im Grunde muss man sich die Banknoten in natura und mit Fadenzähler ausgestattet ansehen. Dort gibt es zum Beispiel winzig klein gedruckte Texte, die über die abgebildeten Personen informieren.

  • 3. Peter Reichard  |  Januar 29th, 2007 at 16:10

    Hab gerade auch noch mal eine Galerie mit allen Euro-Banknoten-Entwürfen (http://www.admirabledesign.com/-Designs-de-l-euro-) gefunden. Darunter auch die Serie 44 von Yves Zimmermann: http://www.admirabledesign.com/Serie-No44

  • 4. martinitorino  |  November 29th, 2008 at 09:38

    Anscheinend finden andere dieses Scan ganz brauchbar:
    http://www.fahrschulexxl.ch/452/index.html

Kommentar abgeben

Required

Required, hidden

erlaubte HTML-Tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Kategorien