Ein Tag der Typografie in Zürich
29. November 2006 Peter Reichard

Hier ein Kurzbericht, ausführlichere Berichte zu einzelnen Vorträgen folgen noch.
Der Ansturm auf den diesjährigen Tag der Typografie war mit 350 Besucher/innen war enorm. Dieses Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto »Eurotypo«, und die vier Vorträge verbanden die Ansichten und Arbeitsweisen der Typografen und Gestalterinnen aus Europa.
Den Auftakt machten drei Gestalter, die dem Zürcher »Theateramneumarkt« ein neues Erscheinungsbild entwarfen. Dabei gingen Félix Müller aus Paris und Claudia Wildermuth aus Zürich einen Weg, der sich von den üblichen Corporate Designs der Theaterwelt abhebt. Ausgangspunkt war, dass »Kommunikationskonzepte, welche zur geistigen Auseiandersetzung anregen möchten und bei den Empfängerinnen und Empfängern ein bestimmtes Mass an intellektuelen Fähigkeiten und kulturellen Referenzen vorausetzen, (…) in Werbekreisen gerne als elitär eingestuft« werden. Diese Haltung wurde zu Recht als mangelnder Respekt vor der Öffentlichkeit bezeichnet. Charakteristisch ist dabei die Kombination von Bilder aus dem Alltagsleben, aufgenommen mit digitalen Videokameras, und inszenierte Aufnahmen des Fotografen Stephan Rappo.
Im Anschluss führte Johanna Bil’ak das Publikum durch die Geschichte slowakischer und tschechischer Schriftgestaltung. Sie zeigte Schriften und typografische Arbeiten von Vojtech Preissig, Oldrich Menhart, Frantisek Storm, Tomas Brousil oder Zuzanna Licko. Den Vortrag gibt es auch komplett in Deutsch udn Englisch auf der Website von Typotheque. Im Anschluss erläuterte Peter Bil’ak am Beispiel eines Redesigns einer slowakischen Zeitung die besonderen Anforderungen an eine Schrift, um slowakische Texte mit vielen diakritischen Zeichen lesbar und typografisch korrekt wiederzugeben.
Als Überraschung nach dem Mittagessen gab es den Film »Fast Type, Slow Type« von vier Studentinnen der Schule für Gestaltung in Basel. Der Kurzfilm behandelt mit viel Humor die Legende, dass in früheren Zeiten in der Schweiz statt in Granit in Schokoladentafeln Buchstaben eingemeißelt wurden.
Danach ging es weiter mit einem Ausflug in die fast schon verlorene Welt der Holzlettern, die Daniel Janssen aus Hamburg zum Thema seiner Diplomarbeit gemacht hatte. Er recherchierte zur Entwicklung von Holzlettern für den Plakatdruck, baute die Maschinen der Gedi-Schriften für das Hamburger Museum für Arbeit auf und eignete sich das Wissen der Holzlettern-Herstellung autodidaktisch an, denn Handbücher gab es zu den individuell angefertigten Maschinen nicht.
Mit dem vierten Vortrag schaffte es Yves Zimmermann, dass sicherlich mehrere Anwesende schnell einen Blick in ihr Portemonnaie warfen, um sich ihre Geldscheine etwas genauer anzuschauen. Er berichtete vom Wettbewerb der EU für das Design der Euro-Banknoten, an dem er für Spanien teilnahm. Beim Design der Banknoten spielten nicht nur gestalterisch-konzeptionelle Vorgaben eine Rolle, sondern auch viele technische Anforderungen, die eine Fälschung möglichst verhindern sollen. So werden beispielsweise die Euroscheine in vier verschiedenen Druckverfahren produziert, um die Fälschung mit Farbkopierern zu verhindern.
Alle Vorträge sind in der Ausgabe 5/6 der «Typografische Monatsblätter» nachzulesen!
(Das Fotografieren war auf Grund der Lichtverhältnisse etwas schwieirig, deswegen gibt es keine weiteren Fotos von den Vorträgen)
Kategorie: Typo-Events
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