Lesen und Schreiben: »Auf die Idee muss man erstmal kommen« Diplomarbeit von Jens Schulz

6. August 2008 Peter Reichard

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Vor einigen Tage bekam ich von Jens Schulz eine E-Mail, in der er seine Diplomarbeit an der HfK Bremen über Analphabetismus zunächst mit einem kleinen Text über das Projekt sowie einige Fotos des Buches vorstellte. Auf meine Bitte hin bekam ich auch das entsprechende PDF zugeschickt. Denn das Design sah zwar ansprechend aus, aber auch das Thema hat mich interessiert. Besonders informativ waren die Interviews mit Menschen, die Analphabeten sind bzw. waren und wie sie mit dieser Einschränkung, nicht lesen und schreiben zu können, ihr Leben meistern bzw. meisterten. Für mich ist es eine Diplomarbeit, die Form und Inhalt auf gleich hohem Niveau zusammenbringt. Es macht Spaß, sie zu lesen und anzuschauen. Im folgenden möchte ich hier Jens’ Selbstbeschreibung des Projektes dokumentieren und einige der Fotos zeigen.

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Dieses Buch beinhaltet die Resultate einer Forschungsreise mit funktionalen Analphabeten. Im Fokus stehen ihr Kommunikationsverhalten und ihre Lösungsstrategien, die sie aufgrund unzureichender Schrift-, Lese- und Sprachkompetenzen entwickeln. In Interviews berichten sie von ihren Lebenserfahrungen und geben Einblicke in ihre Alltagskommunikation. In der anschließenden Versuchsreihe zeigen sie ihren individuellen Blick auf die Entstehung und Ausbildung von Buchstaben; ihre Assoziationen und Empfindungen zu Sprache in Form, Farbe und visuellem Ausdruck.

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Das offen liegende Register lässt LeserInnen einfach und komfortabel navigieren: Versuchsergebnisse können so schnell und ohne großen Aufwand miteinander verglichen werden. Inhalte lassen sich zügig erfassen und in die Betrachtungen einbeziehen.

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Dieses Buch versteht sich als lebendige und spielerische Sammlung von Ein- und Ausdrücken funktionaler Analphabeten. Es kann einen Anstoß geben, über Alphabetisierung nachzudenken oder bereits gemachte Überlegungen zu vertiefen bzw. von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Es ist eine visuelle Studie, die als Grundlage dienen kann, um auf neue und ungewohnte visuelle Botschaften und Lernformen zu stoßen.

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Verarbeitung / technische Besonderheiten / Konfektionierung / …:

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Ein zu zwei Seiten offen liegendes Register gepaart mit einer ebenfalls offenen Fadenbindung gibt dem Buch seinen Charakter. Zum Transport steht ein Schuber zur Verfügung um das Buch zu schützen. Die Verarbeitung übernahm Feine Papierwaren (Tale Jo König).

Kategorie: Typo-Magazine und Bücher

3 Kommentare Kommentar abgeben

  • 1. Sunday Type: dilbert &hellip  |  August 26th, 2008 at 08:35

    […] […]

  • 2. Sunday Type: dilbert &hellip  |  August 27th, 2008 at 17:24

    […] […]

  • 3. eike könig von mallorca  |  Januar 19th, 2009 at 17:21

    das interesse am analphabetismus wird auch seitens des verfassers dieses artikels sehr glaubwürdig unterstrichen.

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