Rezenssion »medien verstehen • gestalten • produzieren

1. Oktober 2010 Peter Reichard

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Umfassende Bücher über Mediendesign mit all seinen Disziplinen zu schreiben ist wahrscheinlich eine große Aufgabe für alle Autoren. Dieses bereits 2002 erstmals erschienene Buch »medien verstehen • gestalten • produzieren« aus dem Europa Lehrmitel Verlag wurde von insgesamt 5 Autoren weitgehend überarbeitet. Es ist schwierig auf 700 Seiten alle Themen in der nötigen Tiefe und in der richtigen Gewichtung darzustellen.
Meiner Meinung nach ist dieses Projekt an seinem Anspruch, Kommunikationstheorie, Gestaltung, Druckproduktion, Audio, Video, Film, Animation, Internet, Markenrecht, Kalkulation, Marketing und vieles mehr ausreichend in einem Buch zu vermitteln, gescheitert.

Sicherlich ist vieles richtig und auch gut erklärt in dem Buch, aber auch sehr vieles ist veraltet, oberflächlich dargestellt bzw. enthält falsch angewendete Begrifflichkeiten. Das Problem für den Leser, vor allem den Neueinsteiger, ist es, nicht direkt zu erkennen, was nun richtig, was ausführlich genug ist und was nicht.

Hier einige Beispiele:

• Die Geschichte der Schrift wird mit einer (!) Buchseite abgehandelt und das so, dass nur Schlagwörter aneinandergereiht werden, aber kein Wissen vermittelt wird.
So heißt es extrem verkürzt:
»Beginnend mit dem Klassizismus um 1800 entstand eine Drucktype, die bis in das Zeitalter ›neuen Sachlichkeit‹ (1930) zum Einsatz kam. Grundlage dieser sachlichen auf Funktionalität ausgerichteten Sichtweise war die Bauhaus-Bewegung.«

Jedoch wird ebenfalls eine Seite über Smileys und Web-Netiquette eingeräumt. Das ist sicherlich im Vergleich mit der Schriftgeschichte keine angemessene Gewichtung.

• Ein Fachbuch, das von Serifen wie in Kindersprache von »Füßchen« spricht, ist nicht überzeugend.

• Blocksatz wird als Ausschließen bezeichnet. Der Begriff aus dem Bleisatz wird weder erläutert und schafft so nur Verwirrung, zumal auch ganze Druckbögen ausgeschlossen wurden.

• Selbst Standards wie PDF-Erzeugung werden extrem oberflächlich behandelt.

• Lächerlich wird es dann, wenn die Fun-Kamera Lomo Actionsampler als »Spezialkamera« bezeichnet wird, die »vier Passbilder« herstellen kann.

• Opentype-Fonts kommen gar nicht vor und auch sonst ist das gesamte Handling der Druckvorstufe völlig veraltet oder sogar falsch. Überfüllen wird beispielsweise mit Überdrucken verwechselt.

• Corporate Design und Corporate Identity werden ebenfalls völlig außer acht geklassen.

Diese Liste könnte man noch mit weiteren Beispielen fortsetzen.

Kategorie: Typo-Magazine und Bücher

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