Signa 9: Versal-ß

18. Dezember 2006 Peter Reichard

signa9

Auch wenn man tagtäglich es anders sieht, so ist der Buchstabe »ß« ein Kleinbuchstabe und er ist entsprechend im Versalsatz mit einem Doppel-S zu ersetzen. So weit so gut, doch was ist wenn in einem Eigennamen das »ß« auftaucht und dieser in Versalien geschrieben werden soll, wie in Personalausweisen? Geht man einfach mit dem altbekannten Ersetzen an die Sache heran verändert man den Namen, denn der Herr WEISS (Weiss) ist ein andere Person wie Herr WEISS (Weiß).

In der Zeitschrift »Signa« untersuchen Andreas Stötzner und andere Autoren die Frage nach der Entwicklung, Geschichte und Form eines Versal-ß. Vielfach hört man in Typo-Kreisen, dass es nur ein paar ganz Verrückte wären, die sich mit dem Thema Versal-ß beschäftigen. Die Artikel zeigen aber auf, dass es keine neue Diskussion ist, sondern bereits seit über 120 Jahren darüber diskutiert wird. Die Autoren haben einige gute Argumente für ein Versal-ß gesammelt, die man sich zumindest einmal anhören sollte bevor man sich ein Urteil bildet.

Das Heft Nummer 9, das im März bereits herauskam, wurde leider in den meisten Typo-Pattformen kaum wahrgenommen. Auch bei mir kam es erst vor ein paar Wochen an. Doch beim Lesen zeigte sich, dass es sich lohnt bestimmte vertraute Ansichten zu überdenken.

Zum Heft gibt es auch der Website noch weitere Informationen zur Frage des Versal-ß:

  • Zur Formfrage des versalen ß (Version 2) [688 KB] (Andreas Stötzner)
  • Graphokombinatorik der Versal-ß-Formen [722 KB] (Andreas Stötzner)
  • Formstudien zum Versal-ß [2,42 MB] (Dr.-Ing. Rolf Böhm)
  • Zur Dresdner Form des Versal-ß [1,0 MB] (Andreas Stötzner)

(56 Seiten, zahlreiche Abb., Einzelheft €9,80)

Kategorie: Typo-Magazine und Bücher

2 Kommentare Kommentar abgeben

  • 1. spatium - Magazin für Ty&hellip  |  Mai 15th, 2007 at 08:52

    […] Wer mehr in das Thema einsteigen möchte, dem empfehle ich die Ausgabe 9 der Zeitschrift »Signa«. […]

  • 2. Bernhard Weber  |  Juli 11th, 2008 at 19:29

    Sehr geehrte Herren Herausgeber,
    hier mein Kommentar und Beitrag zu: “Das ß kommt groß heraus”, F.A.Z. vom 30.06.2008
    Das von Schriftdesignern als Großbuchstabe
    entwickelte ß wirkt fremd, wie ein vergrößerter
    Kleinbuchstabe ß, der mehr einem B ähnelt als
    einem S oder Z.
    Mein Vorschlag: ein “SZ”, das die Formen
    der beiden Buchstaben S und Z in einem Zeichen
    graphisch vereint, einen neuen Buchstaben dar-
    stellt und trotzdem in das gewohnte Schriftbild
    paßt.
    Es ist ein Z, das an der Senkrechten gespiegelt
    wird und dadurch wie ein zackiges (scharfes!) S
    wirkt.
    Auch Nichtdeutsche könnten das gespiegelte Z
    eher als das B-förmige ß mit einem S
    in Verbindung bringen. Der Kleinbuchstabe kann
    analog neu gestaltet werden.
    Im Anhang eine Visualisierung.
    Mit freundlichem Gruß
    ———————————————-
    Bernhard Weber

    Haben Sie meinen Leserbrief in der FAZ vom (30.06.2008) schon gelesen?
    Unten finden Sie den von mir abgesendeten Brief, die FAZ hat aus mir
    unverständlichen Gründen alle großgeschriebenen Buchstaben S, Z, “SZ”
    in Kleinbuchstaben verwandelt, dem Thema Großschreibung sehr angemessen.
    Hier noch ergänzende Erläuterungen:
    Alle Großbuchstaben des deutschen Alphabets bestehen aus wenigen, einfach
    kombinierten Elementen (senkrechte, waagrechte, schräge Striche, (fast)
    Kreise, Halbkreise). Das vorgeschlagene große ß ist im Unterschied dazu
    eine Kombination vieler Elemente mit einer besonderen Spitzform, die in
    ins Auge sticht, abgesehen von der formalen Ähnlichkeit mit dem völlig
    anderslautenden B, was übrigens ein Problem für Texterkennungssysteme
    und Sprachunkundige bilden könnte.
    Das von mir vorgeschlagene gespiegelte Z ist sinnvoll und einfach, da es
    das “SZ” buchstäblich in einem S-förmigen Z darstellt und somit voll in
    das bisherige System paßt, auch für eine Texterkennung eindeutig ist.
    Das kleine ß kann durchaus in bisheriger Form beibehalten werden, die Mehrheit
    der deutschen Kleinbuchstaben weicht formal stark von den Großbuchstaben ab,
    ein gespiegeltes kleines z könnte in der Schreibschrift den Fluß anhalten.
    Nach einer mißratenen Rechtschreibreform sollte nicht auch noch diese Schriftreform mißlingen!

    Die erwähnten Anhänge sende ich per Email.

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