Symposium »Schrift in Form«
19. September 2008 Tanja Huckenbeck
Im Rahmen der Austellung fand am 6. und 7. September ein Symposium zu Schriftgestaltung und Typografie statt, zu dem ca. 60 Leute gekommen waren – auch aus den Niederlanden und der Schweiz.

Akira Kobayashi, Type Director bei Linotype, hielt den ersten Vortrag zum Thema »Qualität im Typedesign«. Er berichtete von seiner Arbeit, die Zeichen verschiedener Schriften wie der Avenir und der Optima zu optimieren und für aktuelle Technik anzupassen. Seine Erläuterungen verdeutlichte er mit Abbildungen der Schriften vor und nach der Überarbeitung, so dass man die Änderungen gut nachvollziehen konnte.

Christina Bee berichtete vom Type and Media Masterstudiengang an der KABK (Koninklijke Academie von Beeldende Kunsten) in Den Haag und einem konkreten Ergebnis ihres Studiengangs, der Textschrift Olga.

Ausgehend von Vorarbeiten in Linolschnitttechnik entwickelte sie anfängliche »Ausrutscher« und Fehler zu einer Systematik weiter, die ihrer Schrift ein charakteristisches Aussehen gibt. In kleinen Größen wirken diese Einschnitte wie Inktraps, so dass sie nicht weiter auffallen und der Text gut lesbar bleibt.

Stefan Claudius von Cape Arcona Type Foundry unterhielt im Anschluss kurzweilig über seine ersten Gehversuche in Typedesign und seine Entwicklung zum Autodidakten in dieser Disziplin. Was mit »Spaßschriften« begann, ist nun ernsthaftem Typedesign gewichen, was er anhand dieser Grafik verdeutlichte, die Ernsthaftigkeit in Beziehung zur zeitlichen Entwicklung setzt.

Nach einer Mittagspause mit kaltem Buffet berichtete Lukas Schneider über seinen schriftdesignerischen Werdegang. Als Student an der HfG Offenbach gestaltete er als Diplomarbeit eine Schrift, die auf einer Superellipse basiert. Nach und nach wurde diese Schrift überarbeitet und ausgebaut und ist nun bei Fontshop als FF Utility zu erwerben.
Außerdem zeigte er seine Arbeit für den Discounter Plus, die Entwicklung einer Schrift für Regalauszeichnungen, die sowohl in lateinischen Zeichen als auch in Griechisch und Kyrillisch mit Alternativzeichen für Bulgarisch vorliegt.
Neben den Auftragsarbeiten waren auch handschriftliche Skizzen zu sehen.

Jürgen Weltin, begeisterter Radrennfahrer, verband Schrift mit Sport und veranschaulichte so den Zusammenhang von Gewichten, Proportionen und Serpentinen-S-Kurven. Seine Schrift Agilita weist eine große Bandbreite an Gewichten auf, wobei das dünnste eine Strichstärke von einem 4/1000 Geviert aufweist und erst für Satz in größeren Graden geeignet ist.

Paul van der Laan nahm die Teilnehmer dann mit auf eine Reise von Pixeln zu Vektoren und zurück. Er zeigte die Vielfalt von Schriften, die auf Pixeln basieren, angefangen von den ersten Entwicklungen von Computerschriften bis hin zu Schriften, die zwar ein rechteckiges Grundelement haben, aber mittlerweile aus Vektoren bestehen.

Den Abschluss des Samstag bildete der Vortrag von Otmar Hoefer zu Fontmarketing und der sich daraus ergebenden Gestaltung von Schriftmusterbroschüren.



Der Sonntag begann mit einem Vortrag von Hans Andree zur Schriftklassifikation und dem Aufbau einer Schriftmusterkartei für Satzschriften. Sein Konzept ist die Verbindung von reiner Schriftdarstellung mit Hintergrundinformationen zu der Schrift selbst, ihrer Entstehung und ihrem Designer.

Schriftklassifikation ist das Thema der Doktorarbeit von Jörg Petri, und um unterschiedliche Ansätze der Sortierung und Ordnung von Schriften ging es auch in seinem Vortrag. Seit den Anfängen der Schriftklassifikation in den 1920ern gibt es unterschiedliche Methoden der Sortierung, von denen er einige vorstellte und Möglichkeiten und Grenzen der Klassifikaiton erläuterte.

Nach einem kurzen Post Scriptum unsererseits war das Symposium beendet. Aus Gesprächen konnten wir entnehmen, dasss den Teilnehmern die Veranstaltung genauso gefallen hat wie uns, und wir hoffen, sie auf einer (noch nicht geplanten) zukünftigen Veranstaltung wiederzusehen.
Kategorie: Typo-Events
2 Kommentare Kommentar abgeben
1. Fred vom Jupiter | September 21st, 2008 at 11:18
Habe es sehr genossen endlich mal wahre Typedesigner aus Ihrem Werdegang erzählen zu hören.
U.a. sehr informativ fand ich auch Chritina Bees Bericht über Ihre Zeit an der KABK Den Haag, denn sonst bekommt man ja keinen direkten Einblick in den Masterstudiengang »Type & Media« dort.
Extrem viel Geduld, Disziplin und Durchhaltevermögen führen also zu einem guten Textfont habe ich mitgenommen…
auch durch Jürgen Weltins Präsentation seiner Fonts… soviel Schnitte bei seinem Font »Agilita« hat nur selten ein Font, und das bei sehr wenig Interpolationen… (unfaßbar)…
Ich hätte mir in der Ausstellung »Schrift in Form« mehr Skizzen und Entwürfe vor den finalen Fonts gewünscht… daß man sieht wieviel Vorarbeit von Nöten ist… von den ersten Skizzen bis zur letzten… auch eine Art Dokumentation der Vorgehensweisen…
Der Obulus von 10 Euro für Studenten war sehr angenehm niedrig.
… die Häppchen waren mit Liebe gemacht
Weiter so…
»Schrift in Form« war eine wirklich außerordentlich geniale Veranstaltung
Schönen Gruß an Tanja und Peter
2. TYPOSITION. Botschaft fü&hellip | Oktober 8th, 2008 at 17:58
[…] Weitere Bilder und ausführliche Berichte finden Sie zur Ausstellung und zum Symposium im Weblog des spatium Magazins. […]
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